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Bahnanbindung Geesthacht-Bergedorf

Die Chancen für einen regelmäßigen Bahnverkehr zwischen Geesthacht und Bergedorf steigen. Denn die lang erwartete Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der bestehenden, rund 14 Kilometer langen Bahntrasse, die jetzt in Geesthacht vorgestellt wurde, weist gleich mehrere Varianten als umsetzbar aus. „Für Geesthacht ist das eine sehr gute Nachricht. Wir fordern schon viele Jahre eine Schienenanbindung an Hamburg“, kommentiert Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze die Studienergebnisse, die im Kleinen Theater Schillerstraße per Videokonferenz präsentiert wurden.

Untersucht wurden in dem Papier, das im Auftrag der NAH.SH erstellt wurde, eine Nutzung der Gleise per Städtischem Bahnsystem oder per Eisenbahn. Die Studienmacher (Ingenieurgesellschaft für Verkehr- und Eisenbahnwesen in Hannover) kommen nun zu dem Ergebnis, dass beides auf den Schienen, die derzeit nur vom Museumszug Karoline und für Güterverkehr genutzt werden, möglich wäre. Das Fazit der Experten: Die Anbindung von Bergedorf kann als Zwischenstufe bis zu einem Realisierungszeitpunkt der Durchbindung nach Hamburg Hauptbahnhof vorgezogen werden.

Untersucht wurden verschiedene Zugtaktungen, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h. Angefahren würden zwischen Geesthacht und Bergedorf sechs Haltestellen (Geesthacht-Bahnhof, Escheburg, Börnsen, Bergedorf-Süd, Bergedorf und Nettelnburg). Zudem sind Park-and-Ride-Plätze für Pendler vorgesehen. Weitere Details zu Nutzerpotenzialen, möglichen Fahrzeiten und Trassenführungen sind in der hier hinterlegten Präsentation der Studie nachzulesen.

2020-Dezember MBS Geesthacht_V11 (PDF, 861 kB, 15.05.2021)


„Ich begrüße es sehr, dass die Studie zeigt, dass ein Bahnanschluss von Geesthacht nach Hamburg möglich ist und wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass der Bahnanschluss realisiert werden kann“, sagt Bürgermeister Olaf Schulze hatte. Langfristig würde er es begrüßen, wenn auch über eine Fortführung der Trasse nach Grünhof-Tesperhude nachgedacht würde.

Die alte Karoline-Trasse führt über den Geesthachter Stadtteil Krümmel bis nach Grünhof-Tesperhude. „Wir haben dort mit dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht einen überregional bedeutsamen Forschungsstandort, der in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut wird. Dort arbeiten heute schon mehr als 950 Personen, von denen ein großer Anteil in Hamburg lebt. Ein Bahnanschluss in dem Geesthachter Stadtteil wäre also nicht nur für die dortigen Einwohner, sondern auch für das HZG attraktiv“, sagt Olaf Schulze. Zudem soll nahe des Geesthachter HZG der Bau eines neuen Forschungsinstituts des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Maritime Energiesysteme beginnen. Weitere 90 Wissenschaftler werden dort künftig arbeiten.

Im Anschluss an die Studienpräsentation im Kleinen Theater hatte das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen. Die am häufigsten gestellten Fragen sind hier nachzulesen. Zudem werden in Kürze Fragen, auf die die Vertreter von Nah.SH und der Ingenieurgesellschaft für Verkehr- und Eisenbahnwesen in Hannover aus Zeitgründen nicht mehr eingehen konnten, an dieser Stelle beantwortet.


Häufig gestellte Fragen:

Mit welchen durchschnittlichen Fahrkosten pro Fahrgast wurde gerechnet?

Es werden voraussichtlich die Tarife des HVV gelten.


Wird der Geesthachter Bahnhof in ein neues städtebauliches Konzept eingebunden?

Für die Einbindung des Bahnhofes sowie Maßnahmen im direkten Umfeld des Bahnhofs ist die Stadt Geesthacht zuständig. Das Thema wird darum im Planungsausschuss Geesthachts beraten werden. Grundsätzlich gibt es für die Gestaltung barrierefreier Bushaltestellen, Fahrradständer am Bahnhof, Park-and-Ride-Plätze und ähnliches Fördergelder vom Land Schleswig-Holstein.


Welchen Standort soll der neue Bahnhof in Geesthacht bekommen?

Die Studie geht vom alten Bahnhof aus. Bürgermeister Olaf Schulze weist darauf hin, dass der Standort noch diskutiert werden müsste.


Wie wurden zahlreiche Konfliktstellen an Gleisen in Studie gelöst? Sind Unter- oder Überführungen vorgesehen?

In der Regel sind technische Sicherungen vorgesehenen. In Bereichen, in denen Abhängigkeiten zum Straßenverkehr bestehen, könnte über Brückenbauwerke nachgedacht werden – in Bergedorf zum Beispiel. Im Geesthachter Stadtgebiet sind aktuell keine Unter- oder Überführungen angedacht.


Welches Bahnunternehmen wird favorisiert?

Der Schienenpersonenverkehr im Land wird in der Regel per Wettbewerb vergeben. Das Land definiert die gewünschte Leistung (wann, mit welcher Taktung usw.). An den Bewerber mit dem wirtschaftlichsten Angebot wird der Auftrag dann für einen gewissen Zeitraum vergeben.


Wann ist mit der Realisierung der Reaktivierung zu rechnen?

Zunächst ist die Frage zu klären: Wird die Schienenverbindung kommen? Bisher liegen Daten zu technischen Möglichkeiten und zur groben Wirtschaftlichkeit vor. Damit ist noch nicht klar, dass das Projekt umgesetzt wird.Entschieden wird das politisch vom Land Schleswig-Holstein und von der Hansestadt Hamburg. Aktuell ist man laut Nah.SH noch an einem sehr frühen Punkt des Verfahrens. Die Machbarkeitsstudie sei Leistungsphase 0. Die nächsten Schritte seien das Nachweisen der Förderfähigkeit, das Vorantreiben der Planungstiefe sowie politische Willensbeschlüsse.


Welche Verbindungsvariante wird bevorzugt von den Studienmachern?

Die Kombi- und Durchbindungsvariante ist die mit dem höchsten Nutzen und wäre die zu empfehlende Variante.


Wie ist der weitere Verlauf geplant?

Im ersten Quartal 2021 wird eine Studie zur Optimierung des Schienenverkehrs in Schleswig-Holstein erwartet. Dabei geht es um die Gesamtstrategie des Landes mit mittel- und langfristigen Zeiträumen – und auch um eine des Landes Positionierung zur Reaktivierung der Trasse Geesthacht-Bergedorf. Nach einer Willensbekundung käme eine Vorplanung und dann eine standardisierte Bewertung. Diese würde dann final den volkswirtschaftlichen Nutzen identifizieren und die Förderfähigkeit durch den Bund abfragen.


Sind die Berechnungen der Fahrgastzahlen eher optimistisch oder konservativ prognostizier?

Das genaue Vorgehen bei der Berechnung der Fahrgastzahlen wird nachgereicht. Grundsätzlich sei in der Studie von einem durchschnittlichen bis optimistischen Szenario ausgegangen worden.


Sind die Kosten für das Projekt eher optimistisch oder konservativ in der Studie angesetzt worden?

Die Kosten wurden unter Berücksichtigung der üblichen Zuschläge angesetzt (z.B. inklusive Baukosten plus Zuschläge für Baunebenkosten, Planungskosten, Risiko). Es sei die sichere Variante gewählt worden bei der Berechnung.


Welche Endziele werden die Fahrgäste laut der Studie haben?

60 Prozent der Fahrgäste wollen in die Hamburger City und 40 Prozent haben Bergedorf zum Ziel.


Wurden bei den prognostizierten Fahrgastzahlen auch Pendler berücksichtigt, die heute das Auto und den Bus nutzen oder an anderer Stelle in einen Zug einsteigen?

Diese Pendler wurden berücksichtigt, darum werden auch Park-and-Ride-Stationen voreschlagen.


Wird die Trasse auch für den möglichen zweigleisigen vorbereitet?

Die Zweigleisigkeit wurde in dieser Studie nicht untersucht. Aber der Betriebsplan ist so gestaltet, dass man ihn eingleisig mit mehreren fahren kann. Bei einer Untersuchung der Trasse in den 90er Jahren wurde die Zweigleisigkeit untersucht und die Investitionskosten dann für zu hoch gehalten.   


Wie hoch wird die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit auf der Trasse sein?

Über weite Teile der Strecke wird von einer Geschwindigkeit von 80 km/h ausgegangen. Teilweise wird sie auch bei 60 km/h liegen.


Wird es einen Schutzzaun an der Trasse geben?

Das müssen die weiteren Planungen ergeben.


Welche Bahnübergänge bleiben im Bereich Geesthacht bis Escheburg bestehen?

Alle öffentlichen Bahnübergänge werden weiterhin wohl erhalten bleiben, aber technisch gesichert - was jetzt teils nicht der Fall ist.


Welcher Lärmschutz ist für Anwohner der Trasse geplant?

Im Rahmen der Studie sind Lärmschutzmaßnahmen berücksichtigt worden. Dazu gehören z.B. Lärmschutzwände oder Schienenstegdämpfer. Die Details sind Teil der  kommenden Planungsschritte.


Wie wird die Strecke gegen unbefugtes Betreten abgesichert?

Das Betreten der Strecke ist heute schon untersagt. Wo es für nötig erachtet wird und es politischen Konsens gibt, wäre ein Zaun auszuverhandeln. Insgesamt wird das Lärmniveau laut Nah.SH vermutlich überschaubar sein, da elektrisch betriebene Wagen eingesetzt würden, die nahezu lautlos seien


Wie viele Parkplätze sind in der ersten Ausbaustufe des Park-and-Ride-Platzes vorgesehen?

400 bis 500 Parkplätze


Ist der Parkplatz für Nutzer kostenlos?

Ob Nutzer zahlen müssen, wäre eine Frage an den Betreiber -  also an die Stadt Geesthacht oder die Gemeinde Escheburg. 


Welche Pläne gibt es für Zubringerverkehre, zum Beispiel zum ZOB oder in Wohngebiete?

Diese Frage müsste die Stadt Geesthacht gemeinsam mit dem Kreis Herzogtum Lauenburg, der für den Busverkehr zuständig ist, dem HVV (Hamburger Verkehrsverbund) und der VHH (Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein) klären.


Wenn man mit Stadtbahnen fährt, könnte die Strecke bis zum ZOB und nach Tesperhude (HZG) verlängert werden?

Ja, das wäre grundsätzlich technisch vorstellbar. Diese Verlängerung wurde vorerst aber nicht weiter verfolgt in der Studie.



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